Zurück zum Blog

Bildschirmzeit in der Kindertagespflege: Warum nicht

Kinder spielen mit echtem Spielzeug

„Schauen die Kinder bei Ihnen Fernsehen?" „Dürfen sie auch mal ein Tablet nutzen?" „Gibt es eine App, mit der sie spielen können?" Nein. Nein. Und nochmal nein. In der Kindertagespflege gibt es keine Bildschirmzeit. Kein Fernsehen, kein Tablet, kein Smartphone. Nicht mal „nur kurz". Und das hat gute Gründe.

Kinder brauchen echte Erfahrungen

Kinder lernen, indem sie die Welt anfassen, riechen, schmecken, hören, sehen. Sie lernen durch Bewegung, durch Wiederholung, durch Ausprobieren. Ein Bildschirm kann das nicht ersetzen.

Ein Kind, das mit Bauklötzen spielt, lernt Physik: Gleichgewicht, Schwerkraft, Stabilität. Es übt Feinmotorik, räumliches Denken, Frustrationstoleranz. Ein Kind, das auf einem Bildschirm virtuelle Bauklötze stapelt? Lernt das nicht. Es lernt, auf einen Bildschirm zu tippen. Das ist kein Ersatz. Das ist eine Simulation.

Kleine Kinder, große Bildschirmwirkung

Kinder unter drei Jahren können noch nicht zwischen Realität und Bildschirm unterscheiden. Für sie ist das, was auf dem Bildschirm passiert, genauso real wie das, was vor ihnen liegt.

Das führt zu Reizüberflutung. Zu viele Farben, zu schnelle Schnitte, zu viele Geräusche. Das Gehirn ist überfordert. Nach Bildschirmzeit sind Kinder oft unruhig, quengelig, unkonzentriert. Sie können schlechter einschlafen. Sie spielen schlechter allein. Sie sind gereizter.

Aber pädagogisch wertvolle Apps?

Ja, es gibt Apps, die als „pädagogisch wertvoll" beworben werden. Lern-Apps, Spiele-Apps, Vorlese-Apps. Trotzdem: Ein Bildschirm bleibt ein Bildschirm.

Selbst die beste App kann nicht ersetzen, was ein Kind durch echtes Spielen lernt. Keine App vermittelt soziale Kompetenz, Körpergefühl, Kreativität so gut wie freies Spielen mit anderen Kindern.

Was stattdessen passiert

  • Echte Bücher. Mit echten Seiten, die man umblättern kann. Die man anfassen, riechen, auch mal anknabbern darf (bei den ganz Kleinen).
  • Echte Musik. Singen, klatschen, tanzen. Kein YouTube-Video, sondern echte Stimmen.
  • Echtes Spielzeug. Bauklötze, Puppen, Autos, Sand, Wasser. Dinge, die man in die Hand nehmen kann.
  • Echte Natur. Rausgehen. Bei jedem Wetter. Matschen, klettern, rennen. Das ist besser als jedes Tablet-Spiel.

Aber zu Hause schauen sie auch?

Das ist bekannt. Und wird nicht verurteilt. Zu Hause ist eine andere Situation. Manchmal muss gekocht, telefoniert, gearbeitet werden. Manchmal sind 20 Minuten Sendung mit der Maus der einzige Weg, um in Ruhe duschen zu können. Das ist okay.

Aber in der Tagespflege? Da ist die Kindertagespflegeperson voll da. Sie hat keine andere Aufgabe, als sich um die Kinder zu kümmern. Deshalb wird kein Bildschirm gebraucht.

Was ist mit Fotos?

Ja, es werden Fotos von den Kindern gemacht. Mit dem Smartphone. Die werden manchmal verschickt, damit Eltern sehen, was ihr Kind erlebt hat. Aber die Kinder sehen diese Fotos nicht auf dem Bildschirm. Sie werden ihnen nicht gezeigt. Das Smartphone ist ein Arbeitsmittel, kein Spielzeug.

Wenn Kinder das Handy sehen und danach greifen, heißt es: „Das ist nicht zum Spielen." Klar, freundlich, konsequent.

Empfehlungen für zu Hause

Es wird nicht vorgeschrieben, wie viel Bildschirmzeit Kinder zu Hause haben dürfen. Aber es können Empfehlungen von Experten weitergegeben werden:

  • Unter 3 Jahren: möglichst keine Bildschirmzeit.
  • Ab 3 Jahren: maximal 30 Minuten pro Tag.

Das ist die Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Keine Moralkeule, sondern wissenschaftlich fundiert. Wer sich daran hält: super. Wer nicht: auch okay. Eltern kennen ihre Situation am besten.

Kinder in der Kindertagespflege sollen echte Kindheit erleben. Mit Matsch, Bauklötzen, Bilderbüchern, Singen, Toben. Dafür wird kein Bildschirm gebraucht. Und deshalb gibt es auch keinen.